Dampf‑Destillation Franz Naumann Delitzsch & Fuchs‑Spirituosen
Eine alte Delitzscher Geschichte, die ich nicht in Ruhe lassen konnte
2013 hatte ich einen dieser Momente, in denen man etwas findet, das eigentlich längst verschwunden sein müsste:
den Original‑Rezeptordner der Dampf‑Destillation Franz Naumann Delitzsch.
96 Rezepte aus den Gründungsjahren.
Ein Stück Stadtgeschichte, das plötzlich bei mir auf dem Tisch lag.
Und wenn man so etwas in der Hand hält, dann hat man zwei Möglichkeiten:
ins Regal stellen – oder wiederbeleben.
Du kannst dir denken, wofür ich mich entschieden habe.
2014 haben wir den Naumann‑Bitter wieder produziert.
Seitdem sehe ich mich – ganz ohne Pathos – in der Tradition dieser alten Delitzscher Brennerei.
Nicht als Museumswärter, sondern als jemand, der eine gute Idee weiterträgt.
Was ich über Naumann herausgefunden habe
Ich habe Archive durchwühlt, mit älteren Delitzschern gesprochen, Geschichten gesammelt, die man nicht googeln kann. Und langsam entstand ein Bild von Franz Naumann:
ein Mann mit Visionen, Mut und einem sehr klaren Verständnis davon, wie Spirituosen schmecken sollen.
Die Firma wurde 1844 in der Bitterfelder Straße gegründet – damals noch am Stadtrand, flankiert von Kirschbäumen.
Produziert wurden Bitter, Liköre und allerlei Spezialitäten.
Und offenbar lief das Geschäft so gut, dass Naumann auf Messen im In‑ und Ausland vertreten war.
1876 reiste er sogar zur Weltausstellung nach Philadelphia.
Man erzählt sich, er habe dort als erster Delitzscher das Telefon gesehen – das damals zum ersten Mal vorgestellt wurde. Ich mag die Vorstellung, wie ein Delitzscher Unternehmer staunend vor diesem Ding steht und gleichzeitig versucht, seinen Naumann-Bitter an den Mann zu bringen.
„Schnaps‑Naumann“ – ein Name, der blieb
Die Firma wechselte im Laufe der Jahrzehnte mehrfach den Besitzer, aber alle behielten den Namen „Naumann“ bei.
Im Volksmund hieß es einfach: „Schnaps‑Naumann“.
Das sagt eigentlich alles.
Bekannte Besitzer waren:
- Franz Naumann
- Carl Bär
- Richard Köthnig
- Herr Laube
Ab den 1940er/50er Jahren verliert sich die Spur.
Der letzte Besitzer soll – so erzählt man es – in den Westen geflüchtet sein, bevor es für ihn, in Ostdeutschland zuungemütlich wurde.
Später zog auf dem Gelände eine "Limonbude" (Konsum-Limonadenfabrik Delitzsch) ein, dann der Konsum, dann wieder etwas anderes.
2015/16 wurde alles abgerissen.
Heute steht dort ein Wohnkomplex mit Tiefgarage.
Die Geschichte hätte damit eigentlich enden können.
Tut sie aber nicht
Denn seit 2014 produzieren wir bei Fuchs‑Spirituosen den Naumann‑Bitter wieder.
Nicht als Kopie, sondern als Weiterführung.
Mit Respekt, aber ohne Staub.
2016 hat der Naumann‑Bitter beim Spirit Craft Festival (Destille Berlin) Silber gewonnen.
Ich glaube, Franz Naumann hätte darüber gelächelt.
Vielleicht wäre er sogar ein bisschen stolz.
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